Aufklärung und Diagnostik

Implantationen und Zahnersatz müssen sorgfältig geplant werden. Denn Ästhetik und Funktion sollen ebenso stimmen wie Sicherheit und Haltbarkeit. Dafür sind einige Untersuchungen nötig, die der Implantologe und sein Team mit ganz modernen Methoden durchführen.

Das Motto „gut geplant ist halb gewonnen“ gilt auch für erfolgreiche Implantationen. Im Vorfeld wird Ihr Implantologe nach bestehenden Erkrankungen, eventuellen Allergien und einzunehmenden Medikamenten fragen. Dies ist Routine, aber wichtig, um Ihren Gesundheitszustand einschätzen zu können, allergische Reaktionen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten zu vermeiden. In der Regel erhalten Sie einen Fragebogen zu Ihrem Gesundheitszustand und den Medikamenten, die Sie regelmäßig einnehmen, den Sie gewissenhaft und sorgfältig – und falls nötig – nach Rücksprache mit Ihrem Hausarzt ausfüllen sollten.

 

Implantate: Fast jeder ist geeignet

Es gibt nur wenige medizinische Gründe, die eine Implantation verbieten. Ein Ausschlusskriterium – Mediziner sprechen von Kontraindikation – ist die Einnahme von Bisphosphonaten in hoher Dosierung. Das sind Medikamente, die bei Frauen mit Osteoporose eingesetzt werden und – in hoher Dosierung – bei Krebserkrankungen mit Knochenmetastasen.
Früher galten auch Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes als Ausschlusskriterien. Das sieht man heute anders. Fast alle Menschen können Implantate erhalten. Allerdings sollten bestehende chronische Erkrankung so gut wie möglich behandelt sein. Auch Patienten, die Gerinnungshemmer wie Marcumar (häufig als blutverdünnende Medikamente bezeichnet) einnehmen, können in aller Regel problemlos ein Implantat erhalten. In Absprache mit dem behandelnden Arzt kann die blutverdünnende Therapie, die das Risiko für Blutungen erhöht, für eine Woche abgesetzt werden.

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Auf den Zahn gefühlt

Grundvoraussetzung für eine Implantation ist, dass die noch vorhandenen Zähne ebenso wie das Zahnfleisch und der Kieferknochen gesund sind. Deshalb untersucht der Zahnarzt Mund, Zähne und Zahnfleisch sehr genau, um alle für die Implantation nötigen Informationen zu bekommen und eventuelle Probleme zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln:

  • Liegen Entzündungen des Zahnfleisches vor? Wenn ja, sollten diese behandelt werden und ausheilen können, damit sie nicht auf das neu zu setzende Implantat übergreifen können.
  • Ist die Mundschleimhaut gesund? Wenn nicht, zum Beispiel bei bestehenden Druckgeschwüren durch Zahnersatz oder Aphthen (= kleine schmerzhafte Bläschen, häufig im Wangenbereich) sollten diese ausheilen.
  • Existieren Zähne mit defekten Füllungen oder Karies? Wenn ja, sollten diese behandelt beziehungsweise mit neuen Füllungen versehen werden.
  • Sind die vorhandenen Zähne ausreichend fest oder bereits locker. Müssen sie entfernt werden?
  • Müssen Gegenzähne beschliffen oder gekürzt werden?
  • Wieviel Platz ist im Kiefer?
  • Sind bereits Zähne mit Zahnersatz versorgt (Kronen, Brücken und Prothesen)? Sind diese gesund? Wenn nein, sollte der defekte Zahnersatz behandelt beziehungsweise ausgetauscht werden.
  • Ist der Kieferknochen gesund?

Unvermeindlich: die Röntgenaufnahme

Das so genannte Orthopantomogramm (OPG) ist eine Röntgenaufnahme. Dieses auch als Panorama- Aufnahme bezeichnetes Übersichtsbild zeigt die Zähne, Ober- und Unterkiefer und die Kieferhöhlen (Sinus maxillaris). Damit kann der Implantologe die Lage der Zähne ebenso wie die Höhe des Kieferknochens gut abschätzen.

Auch erkennt er verlagerte Zähne, eventuelle Wurzelreste und Veränderungen im Knochenbereich. Diese Informationen reichen in den meisten Fällen aus, um die Wahl der Implantate, ihre Größe und – ganz wichtig – die Implantat- Achse festzulegen. Die Implantat- Achse ist der Winkel, in dem das Implantat im Kiefer sitzt.

In Einzelfällen sind weitere Röntgenaufnahmen nötig, zum Beispiel Einzelbilder, die detailliertere Informationen geben.

roentgenaufnahme

 

DVT ermöglicht genaueste Planung

In spezialisierten Implantologie- Praxen werden auch digitale Volumentomographen (DVT) eingesetzt, die exakte dreidimensionale Bilder des Kieferknochens liefen und auch andere Strukturen wie die Kieferhöhlen oder die Nervenkanäle gut darstellen können.
Herkömmliche Röntgenaufnahmen sind zweidimensional und reichen nicht in allen Situationen für eine genaue Diagnostik aus. Hier bietet die dritte Dimension Vorteile, vor allem für:

  • die exakte Planung und Positionierung von Implantaten
  • die Diagnostik bei Knochenveränderungen
  • die Diagnostik des Kieferknochenverlaufes
  • die exakte Lagebestimmung von Weisheitszähnen
  • das Aufsuchen von Wurzelkanälen und
  • die Feststellung von Kieferhöhlenerkrankungen.

Röntgenübersicht des zahnlosen Oberkiefers vor (links) und nach (rechts) dem Einsetzen von vier Implantaten in den Oberkiefer. Hier sieht man gut, dass die Implantate unterschiedlich lang sind und verschiedene Durchmesser aufweisen.

Die angefertigten Digitalen Volumen- Tomogramme ermöglichen einen virtueller Rundgang durch das Gebiss am Computerbildschirm. So lassen sich insbesondere chirurgische Maßnahmen extrem detailliert planen und umsetzen. Dies garantiert den bestmöglichen Behandlungserfolg.

Die DVT ist eine Weiterentwicklung der Computertomographie, aber deutlich (bis zu 80%) strahlenärmer als diese. Auch wenn moderne bildgebende Verfahren und Navigationstechniken bei der Implantation äußerst nützliche Hilfsmittel sind, ersetzen sie jedoch nicht den erfahrenen Implantologen.

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Beispiel eines DVTs: Verschiedene Ansichten des Kiefers: Neun Implantate wurden in den Oberkiefer gesetzt.

Provisorischer Zahnersatz

Ist die Entscheidung für ein oder mehrere Implantate gefallen, muss noch die provisorische Versorgung der Lücken besprochen werden. Dies gilt für die Zeit, in der die Implantate stabil einwachsen. Im Seitenzahnbereich müssen die Lücken nicht unbedingt mit einem Provisorium versorgt werden.

Wird ein Provisorium gewünscht oder benötigt, sollte es im Bereich des Implantats nicht auf dem Zahnfleisch aufliegen, da dies die Einheilung gefährden könnte. Auch bei den Provisorien stehen verschiedene Befestigungen und Materialien zur Auswahl: Das können Kunststoffzähne sein, die mit gebogenen Klammern an den Nachbarzähnen befestigt werden oder sogenannte Modellgussprothesen oder Brücken, die mit passgenauen Klammern an noch vorhandenen Zähnen befestigt werden. Auch können Kunststoff-Provisorien oder -Prothesen auf Übergangsimplantate zementiert werden. Die schmalen Übergangsimplantat werden zusätzlich in den Kiefer eingesetzt. Sie können bei der endgültigen Versorgung leicht entfernt werden.

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